Portraits of Pigs
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    PORTRAITS OF PIGS - ... some works from the series of portraits of pigs from 2008. Designed within an artists' stipend in a three-month stay in the north/west of Germany, contact to pigs, especially the Bentheim Black Pied (Bunte Bentheimer Landschwein). The following is a transcript of the foreword for the exhibition catalogue, only available in German, sorry for that. Übertreibung, Verfremdung und Groteske Frank Hoppmann in Clemenswerth und Nordhorn Von Oktober bis Dezember 2007 absolvierte Frank Hoppmann auf Schloss Clemenswerth ein Arbeitsstipendium der Emsländischen Landschaft. Sein Quartier während dieser Zeit war die Gloriette – die Eremitage des Kurfürsten Clemens August im Kostergarten. Jahreszeiten- und mithin wetterbedingt weilte der Künstler die meiste Zeit im Innern des von Johann Conrad Schlaun entworfenen Gebäudes. Auf sich selbst zurückgeworfen – ohne große Möglichkeit der zeitgemäßen Zerstreuung mittels Fernseher und Computer – stieß der gebürtige Emsländer recht schnell auf die einzigen „Mitbewohner“, die Fliegen, die in der begin- nenden kalten Jahreszeit im historischen Gartenhaus Unterschlupf suchten. Im Laufe der Arbeit kristallisierte sich immer mehr heraus, wie sehr die Insekten den Stipendiaten inspirierten. Der Zeichner hatte sein Leitmotiv gefunden! In seine Architekturansichten schlichen sich nach und nach und dann immer vehementer werdend die saugrüsselbewehrten Sechsbeiner ein. Sein unverkennbarer Witz, aber auch ein Hauch Wehmut blitzen auf, wenn er eine stehende Fliege mit Schlips, Anzug und Koffer wiedergibt, die in einer offenen Tür steht und sich verabschiedet nach dem Motto „jetzt kommt ein Anderer und ich muss gehen“. Zum Glück sind die Fliegen geblieben! In einer großen technischen und künstlerischen Band- breite – vom Bleistift über die Feder bis hin zur Tusche, Kohle und Kreide – hat sich ihnen Hoppmann mit hef- tiger Geste oder karikaturhaft-erzählerisch genähert. Er hält sie zwischen den Fingern, malträtiert sie auf dem Blatt mit der Fliegenpatsche oder inszeniert sie monumental-bedrohlich und monströs. Tatsächlich empfand der Stipendiat in der Abgeschiedenheit der Gloriette Einsamkeit, Düsternis und eine gewisse Form der Bedrohung. Die Fliegenbilder spiegeln die Auseinandersetzung mit die- ser ungewohnten Situation, was im Falle des Selbstporträts mit Fliegen auf sehr eindrucksvolle Weise ge- schieht. Von oben driftet ein Schwarm Fliegen ins Bild, der sich zunehmend auflöst und sowohl die Physio- gnomie des Künstlers als auch die Ränder seiner Hornbrille formt. Mensch und Kreatur verschmelzen mit- einander – genau wie im Horrorfilmklassiker „Die Fliege“, ein Genre, das den Künstler fasziniert. Das Blatt vereint einen virtuosen Strich mit der Begabung einer überbordenden Bildfantasie. Letztere beweist der Zeichner auch im folgenden Werk. Das Hauptschloss thront als Kopf auf einem plumpen Körper mit Stelzenbeinen und edlem Schuhwerk. Während die rechte Hand manieriert abgewinkelt erscheint, hält die Linke eine Laterne als Zepter. Um das Hauptschloss herum machen die eben- falls mit menschlichen Körpern und Gliedmaßen versehenen Gästepavillons der zentralen Figur ihre Aufwar- tung. Dabei verbeugen sich einige soweit nach vorne, dass sie mit der „Nase“ fast den Boden berühren. Im Hintergrund betrachtet die Schlosskapelle die Szene eher skeptisch und zurückweichend. Das Ganze wird hinterfangen von der monumentalen Taxushecke des Klostergartens. Dieses Blatt ist eine hinreißend satirische Darstellung des Clemenswerther Gebäudeen- sembles. Es erfasst das Wesen der spätbarocken und dem Geiste des Absolutismus verpflichteten Anlage mit ihrer architektonischen Hierarchie auf sehr humorvolle und dennoch prägnante Art und Weise. So zutreffend und gleichzeitig verfremdet ist Clemenswerth wohl noch nie geschildert worden! Auch dem Gartenhaus des Kurfürsten, dem Hoppmann in einfachen Strichzeichnungen wie „Gloriette empört“ oder „Gloriette sauer“ zu Leibe rückt, haucht er Leben ein. In solchen Arbeiten spielt der Zeichner mit dem bei Karikaturisten beliebten Mittel des sparsamen Striches. Mitunter können seine Arbeiten auch makabre Züge annehmen. Dafür steht exemplarisch das Blatt „Vater segne unsere Gaben“. Es zeigt drei Fliegen mit Essbesteck versammelt um einen Tisch, auf dem rücklings eine tote Artgenossin als Speise bereit steht. Von Februar bis April 2008 quartierte sich der Grafiker schließlich in der Villa im Stadtpark von Nordhorn ein, um den zweiten Teil seines Stipendiums zu bewältigen. Zunächst knüpfte er an die Themen seiner Clemenswerther Monate an, was vor allem eine weitere Auseinandersetzung mit den Fliegen bedeu- tete. So avancierte er zum Experten der Materie, lernte beispielsweise die verschiedenen Stadien der Mumi- fizierung der Insekten kennen, weil er sie sprichwörtlich unter die Lupe nahm. Irgendwann jedoch war es Zeit für neue Impulse, um die Zeit des Stipendiums möglichst effektiv zu nutzen. Der Künstler besuchte schließlich den Tierpark Nordhorn, eine der Attraktionen in der Grafschaft Bentheim. Dort zog es ihn vor allem zum historischen Vechtehof, einem so genannten Schaubau- ernhof, auf dem man sich besonders um alte Haustierrassen kümmert – so auch um das „Bunte Bentheimer Schwein“, das durch verstärkte Zuchtbemühungen vor dem Aussterben bewahrt werden konnte. Schon immer hat Hoppmann nach eigenem Bekunden Schweine gezeichnet und so fand er sich konsequenterweise zum Skizzieren auf dem Vechtehof ein. Das Problem des sich meist bewegenden Motivs ist evident, aber manch- mal verharrten seine „Modelle“ in einer bestimmten Pose, so dass sie mit einem raschen und sicheren Pinselstrich erfasst werden konnten („Pissendes Schwein“). Waren es im Allwetterzoo in seiner Wahlheimat Münster bisher vor allem die Affen, die ihn interessierten, so rückten nun in Nordhorn also jene Tiere in den Fokus, die durchaus eine Verbindung zu den Fliegen aufweisen, oder anders ausgedrückt: Wo sich Schweine im Dreck suhlen sind die Fliegen nicht weit! Neben den Primaten gelten gerade auch die Schweine als sehr intelligent. Darüber hinaus sind sie genetisch dem Menschen recht eng verwandt – ganz zu schweigen von der generellen Gleichsetzung von Mensch und Schwein in zahlreichen Redensarten, Schimpfwörtern und Flüchen, aber auch in der Physio- gnomielehre seit dem 16. Jahrhundert. Man erkennt das Potential, das gerade ein satirischer Zeichner aus die- sem Motiv ziehen kann! Die ins Tierische transformierte Darstellung des Menschen als Waffe des Karika- turisten kehrte Hoppmann in der Folge um: es entstanden nun „Porträts“ von Schweinen mit menschlichen Attributen, sprich Kleidung und Hände. Die Gelegenheit zum Studium von Menschen – ein ebenso vertrautes wie breites Betätigungsfeld des gebürtigen Emsländers – ergab der mehrfache Besuch eines Nordhorner Eiscafés. Vor Ort, heimlich unter der Tischplatte gezeichnet, entstanden Skizzen von älteren Pärchen, die ihrerseits herum- schauen und andere beobachten, es entstanden Zeugnisse der Vorfreude auf den zu erwartenden Eispokal oder Szenen der zwischenmenschlichen Vereisung. Die panoramaartig angelegten Zeichnungen weisen viele markante Gesichter auf, die oftmals ins Hässlich-Skurrile gesteigert sind (Eiscafészene). So erinnern die Eiscafészenen unter anderem an Thomas Rowlandsons Radierung „Theaterpublikum (Comedy in the Country/Tragedy in London)“ von 1807, auf der eine ganze Reihe von Menschen mit verzerrten Gesichtern dargestellt ist. Rowlandsons Gegenüberstellung des bürgerlich sentimentalen Trauerspiels in der Großstadt einerseits und dem burlesken Theaterspektakel auf dem Land andererseits wird bei Hoppmann zur Schilderung der oftmals unfreiwillig komischen „Inszenierung“ einer zufällig versammelten Menschenschar im Eiscafé einer nord- westdeutschen Kleinstadt. Der Wahl-Münsteraner steht mit der treffsicheren Schilderung absonderlicher Köpfe in einer langen kunsthistorischen Tradition. Ob der italienische Renaissancekünstler Leonardo da Vinci (1452-1519), die englischen Karikaturisten William Hogarth (1697-1764) und der bereits erwähnte Thomas Rowlandson (1756-1827), oder der Franzose Louis Boilly (1761-1845), sie alle haben sich mit der menschlichen Physio- gnomie und der Möglichkeit ihrer entlarvenden Überzeichnung intensiv beschäftigt. Übertreibung, Verfremdung und Groteske – das waren nach eigener Aussage die inhaltlichen Stilmittel, die den Stipendiaten bei seinem Aufenthalt in Sögel beschäftigten, was man ohne Einschränkung bestätigen, aber auch auf seine Zeit in Nordhorn ausweiten kann. Inhaltlich völlig frei – im Gegensatz zu seiner üblichen Arbeit als Karikaturist und satirischer Zeichner – verrät er dennoch seine Herkunft und seine Hauptinteressen, was den Ergebnissen der letzten Monate jedoch in jeder Weise geholfen hat. Frank Hoppmann ist und bleibt ein Meister der Beobachtung und des satirisch-pointierten Striches. Dr. Reiner Meyer Emslandmuseum Schloss Clemenswerth Read Less
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PORTRAITS OF PIGS
 
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        ... some works from the series of portraits of pigs from 2008. Designed within an artists' stipend in a three-month stay in the north/west of Germany, contact to pigs, especially the Bentheim Black Pied (Bunte Bentheimer Landschwein). The following is a transcript of the foreword for the exhibition catalogue, only available in German, sorry for that.
 
Übertreibung, Verfremdung und Groteske
Frank Hoppmann in Clemenswerth und Nordhorn
        Von Oktober bis Dezember 2007 absolvierte Frank Hoppmann auf Schloss Clemenswerth ein Arbeitsstipendium der Emsländischen Landschaft. Sein Quartier während dieser Zeit war die Gloriette – die Eremitage des Kurfürsten Clemens August im Kostergarten. Jahreszeiten- und mithin wetterbedingt weilte der Künstler die meiste Zeit im Innern des von Johann Conrad Schlaun entworfenen Gebäudes. Auf sich selbst zurückgeworfen – ohne große Möglichkeit der zeitgemäßen Zerstreuung mittels Fernseher und Computer – stieß der gebürtige Emsländer recht schnell auf die einzigen „Mitbewohner“, die Fliegen, die in der begin- nenden kalten Jahreszeit im historischen Gartenhaus Unterschlupf suchten.
Im Laufe der Arbeit kristallisierte sich immer mehr heraus, wie sehr die Insekten den Stipendiaten inspirierten. Der Zeichner hatte sein Leitmotiv gefunden! In seine Architekturansichten schlichen sich nach und nach und dann immer vehementer werdend die saugrüsselbewehrten Sechsbeiner ein. Sein unverkennbarer Witz, aber auch ein Hauch Wehmut blitzen auf, wenn er eine stehende Fliege mit Schlips, Anzug und Koffer wiedergibt, die in einer offenen Tür steht und sich verabschiedet nach dem Motto „jetzt kommt ein Anderer und ich muss gehen“.
        Zum Glück sind die Fliegen geblieben! In einer großen technischen und künstlerischen Band- breite – vom Bleistift über die Feder bis hin zur Tusche, Kohle und Kreide – hat sich ihnen Hoppmann mit hef- tiger Geste oder karikaturhaft-erzählerisch genähert. Er hält sie zwischen den Fingern, malträtiert sie auf dem Blatt mit der Fliegenpatsche oder inszeniert sie monumental-bedrohlich und monströs.
        Tatsächlich empfand der Stipendiat in der Abgeschiedenheit der Gloriette Einsamkeit, Düsternis und eine gewisse Form der Bedrohung. Die Fliegenbilder spiegeln die Auseinandersetzung mit die- ser ungewohnten Situation, was im Falle des Selbstporträts mit Fliegen auf sehr eindrucksvolle Weise ge- schieht. Von oben driftet ein Schwarm Fliegen ins Bild, der sich zunehmend auflöst und sowohl die Physio- gnomie des Künstlers als auch die Ränder seiner Hornbrille formt. Mensch und Kreatur verschmelzen mit- einander – genau wie im Horrorfilmklassiker „Die Fliege“, ein Genre, das den Künstler fasziniert. Das Blatt vereint einen virtuosen Strich mit der Begabung einer überbordenden Bildfantasie.
Letztere beweist der Zeichner auch im folgenden Werk. Das Hauptschloss thront als Kopf auf einem plumpen Körper mit Stelzenbeinen und edlem Schuhwerk. Während die rechte Hand manieriert abgewinkelt erscheint, hält die Linke eine Laterne als Zepter. Um das Hauptschloss herum machen die eben- falls mit menschlichen Körpern und Gliedmaßen versehenen Gästepavillons der zentralen Figur ihre Aufwar- tung. Dabei verbeugen sich einige soweit nach vorne, dass sie mit der „Nase“ fast den Boden berühren. Im Hintergrund betrachtet die Schlosskapelle die Szene eher skeptisch und zurückweichend. Das Ganze wird hinterfangen von der monumentalen Taxushecke des Klostergartens.
Dieses Blatt ist eine hinreißend satirische Darstellung des Clemenswerther Gebäudeen- sembles. Es erfasst das Wesen der spätbarocken und dem Geiste des Absolutismus verpflichteten Anlage mit ihrer architektonischen Hierarchie auf sehr humorvolle und dennoch prägnante Art und Weise. So zutreffend und gleichzeitig verfremdet ist Clemenswerth wohl noch nie geschildert worden!
        Auch dem Gartenhaus des Kurfürsten, dem Hoppmann in einfachen Strichzeichnungen wie „Gloriette empört“ oder „Gloriette sauer“ zu Leibe rückt, haucht er Leben ein. In solchen Arbeiten spielt der Zeichner mit dem bei Karikaturisten beliebten Mittel des sparsamen Striches.
Mitunter können seine Arbeiten auch makabre Züge annehmen. Dafür steht exemplarisch das Blatt „Vater segne unsere Gaben“. Es zeigt drei Fliegen mit Essbesteck versammelt um einen Tisch, auf dem rücklings eine tote Artgenossin als Speise bereit steht.
        Von Februar bis April 2008 quartierte sich der Grafiker schließlich in der Villa im Stadtpark von Nordhorn ein, um den zweiten Teil seines Stipendiums zu bewältigen. Zunächst knüpfte er an die Themen seiner Clemenswerther Monate an, was vor allem eine weitere Auseinandersetzung mit den Fliegen bedeu- tete. So avancierte er zum Experten der Materie, lernte beispielsweise die verschiedenen Stadien der Mumi- fizierung der Insekten kennen, weil er sie sprichwörtlich unter die Lupe nahm.
        Irgendwann jedoch war es Zeit für neue Impulse, um die Zeit des Stipendiums möglichst effektiv zu nutzen. Der Künstler besuchte schließlich den Tierpark Nordhorn, eine der Attraktionen in der Grafschaft Bentheim. Dort zog es ihn vor allem zum historischen Vechtehof, einem so genannten Schaubau- ernhof, auf dem man sich besonders um alte Haustierrassen kümmert – so auch um das „Bunte Bentheimer Schwein“, das durch verstärkte Zuchtbemühungen vor dem Aussterben bewahrt werden konnte. Schon immer hat Hoppmann nach eigenem Bekunden Schweine gezeichnet und so fand er sich konsequenterweise zum Skizzieren auf dem Vechtehof ein. Das Problem des sich meist bewegenden Motivs ist evident, aber manch- mal verharrten seine „Modelle“ in einer bestimmten Pose, so dass sie mit einem raschen und sicheren Pinselstrich erfasst werden konnten („Pissendes Schwein“).
        Waren es im Allwetterzoo in seiner Wahlheimat Münster bisher vor allem die Affen, die ihn interessierten, so rückten nun in Nordhorn also jene Tiere in den Fokus, die durchaus eine Verbindung zu den Fliegen aufweisen, oder anders ausgedrückt: Wo sich Schweine im Dreck suhlen sind die Fliegen nicht weit!
        Neben den Primaten gelten gerade auch die Schweine als sehr intelligent. Darüber hinaus sind sie genetisch dem Menschen recht eng verwandt – ganz zu schweigen von der generellen Gleichsetzung von Mensch und Schwein in zahlreichen Redensarten, Schimpfwörtern und Flüchen, aber auch in der Physio- gnomielehre seit dem 16. Jahrhundert. Man erkennt das Potential, das gerade ein satirischer Zeichner aus die- sem Motiv ziehen kann! Die ins Tierische transformierte Darstellung des Menschen als Waffe des Karika- turisten kehrte Hoppmann in der Folge um: es entstanden nun „Porträts“ von Schweinen mit menschlichen Attributen, sprich Kleidung und Hände.
        Die Gelegenheit zum Studium von Menschen – ein ebenso vertrautes wie breites Betätigungsfeld des gebürtigen Emsländers – ergab der mehrfache Besuch eines Nordhorner Eiscafés. Vor Ort, heimlich unter der Tischplatte gezeichnet, entstanden Skizzen von älteren Pärchen, die ihrerseits herum- schauen und andere beobachten, es entstanden Zeugnisse der Vorfreude auf den zu erwartenden Eispokal oder Szenen der zwischenmenschlichen Vereisung. Die panoramaartig angelegten Zeichnungen weisen viele markante Gesichter auf, die oftmals ins Hässlich-Skurrile gesteigert sind (Eiscafészene). So erinnern die Eiscafészenen unter anderem an Thomas Rowlandsons Radierung „Theaterpublikum (Comedy in the Country/Tragedy in London)“ von 1807, auf der eine ganze Reihe von Menschen mit verzerrten Gesichtern dargestellt ist. Rowlandsons Gegenüberstellung des bürgerlich sentimentalen Trauerspiels in der Großstadt einerseits und dem burlesken Theaterspektakel auf dem Land andererseits wird bei Hoppmann zur Schilderung der oftmals unfreiwillig komischen „Inszenierung“ einer zufällig versammelten Menschenschar im Eiscafé einer nord- westdeutschen Kleinstadt.
        Der Wahl-Münsteraner steht mit der treffsicheren Schilderung absonderlicher Köpfe in einer langen kunsthistorischen Tradition. Ob der italienische Renaissancekünstler Leonardo da Vinci (1452-1519), die englischen Karikaturisten William Hogarth (1697-1764) und der bereits erwähnte Thomas Rowlandson (1756-1827), oder der Franzose Louis Boilly (1761-1845), sie alle haben sich mit der menschlichen Physio- gnomie und der Möglichkeit ihrer entlarvenden Überzeichnung intensiv beschäftigt.
        Übertreibung, Verfremdung und Groteske – das waren nach eigener Aussage die inhaltlichen Stilmittel, die den Stipendiaten bei seinem Aufenthalt in Sögel beschäftigten, was man ohne Einschränkung bestätigen, aber auch auf seine Zeit in Nordhorn ausweiten kann. Inhaltlich völlig frei – im Gegensatz zu seiner üblichen Arbeit als Karikaturist und satirischer Zeichner – verrät er dennoch seine Herkunft und seine Hauptinteressen, was den Ergebnissen der letzten Monate jedoch in jeder Weise geholfen hat. Frank Hoppmann ist und bleibt ein Meister der Beobachtung und des satirisch-pointierten Striches.

Dr. Reiner Meyer
Emslandmuseum Schloss Clemenswerth 
 
 
 
 
 
Pig №23, 50x70cm, 2008
 
 
 
 
 
 
 
Detail
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Pig №27, 50x70cm, 2008
 
 
 
 
 
Detail
 
 
 
 
 
Pig №51, 50x70cm, 2008
 
 
 
 
 
Detail
 
 
 
 
 
Detail
 
 
 
 
 
Pig №28, 50x70cm, 2008
 
 
 
 
 
 
Pig №29, 50x70cm, 2008
 
 
 
 
 
 
Detail
 
 
 
 
 
 
Pig №53, 50x70cm, 2008
 
 
 
 
 
 
Detail
 
 
 
 
 
 
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Thank you.