Sobreposição 12
Die Medieninstallation ‹Sobreposição 12›* ist am Institut Integrative Gestaltung | Masterstudio der FHNW in Zusammenarbeit mit Swissnex Brazil entstanden. Es treten jeweils zwei Akteure mit Wurzeln in den Kulturen und Sprachen Brasiliens und der Schweiz in einen digitalen Dialog über Skype. Beide Personen sprechen und verstehen jeweils ‹português brasileiro› und entweder ‹Schwyzerdütsch›, ‹français suisse› oder ‹svizzero italiano›. 
Juan Ferrari, einer der drei beteiligten Designer, erklärt: «Was unsere Akteure miteinander verbindet ist, dass beide von einem Land ins andere immigriert sind. Dies gibt beiden Personen eine Gemeinsamkeit, durch die gemeinsam gesprochenen Sprachen, das Verlassen der Heimat oder auch die Rückkehr in die Heimat. Auf dieser Grundlage bauen sich die Themen der Konversationen auf.»
Zum Beispiel Ruedi und Walter, die aus der Deutschschweiz nach Brasilien ausgewandert sind. Sie reflektieren in ihrer Videokonversation ihre Muttersprache, das Schweizerdeutsch. Dabei kommen sie auf die Begrenzungen der eigenen Sprachen zu sprechen. Ruedi erzählt: «Für mich hets en Moment gä, wo sich z Schwizerdütsch ganz untauglich zeigt het. Ich han mich untauglich gfunde. Wenn ich de mal wider id Schwiz bi cho und plötzlich gmerkt ha, das mir t Wörter fählid. Oder dasd Klangdimensione vode Begriff nid mitchunt, obwohl t Wörter villicht sogar existiere. Die Unübersetzbarkeit isch wahrschindlich eini vo de grosse poetische Wahrheite.» 
Oder Valentina, ursprünglich aus der französischen Schweiz und Mauricio, der die brasilianische und die schweizerische Nationalität besitzt. Beide kannten sich vor dem Projekt nicht. Sie diskutieren drei Stunden lang – vom Designteam angesetzt waren zwanzig bis dreissig Minuten – alle möglichen Themen, wie Herkunft, Ausbildung, Ziele und private und berufliche Vorstellungen bis zur Reflektion über die eigene Immigration in das jeweils andere Land.
Anhand des gesammelten Video- und Audiomaterials untersuchen die Designer die Soundcharakteristik und -ästhethik der vier Sprachen. Die gewonnenen Daten werden in eine visuelle Sprache übersetzt, in der sich die auditiv-phonologischen Charakteristik der Teilnehmer zeigt. Die so geschaffenen Hörbilder machen die Sprache für den Installationsbesucher erlebbar. 
«Die Energie der zwölf Akteure und ihre digitale Präsenz fliessen über auf den realen Raum und die sich dort befindenden Menschen. Die Installation kreiert so eine Überlappung – Sobreposição – aller Kulturen, Sprachen und Persönlichkeiten in einem Raum, und überbrückt vermeintliche Begrenzungen zwischen digital oder real, fern oder nah, Portugiesisch oder Schweizerisch. Das ist für mich die Faszination dieses Projekts.» erklärt die Innenarchitektin Julie Berdou.
*Credit: Julie Berdou, Juan Ferrari, Marianna Xynia
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