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WIESINGER STÜNKEL WESSEL - NEUE FOTOGRAFIE 31. Januar - 22. März 2014, Eröffnungsansprache Exhibition / Ausstellung: Die Fischerplatz Galerie un… Read More
WIESINGER STÜNKEL WESSEL - NEUE FOTOGRAFIE 31. Januar - 22. März 2014, Eröffnungsansprache Exhibition / Ausstellung: Die Fischerplatz Galerie und die BEGE Galerie in Ulm zeigen fotografische Arbeiten von Kai Wiesinger (D), Franziska Stünkel (D) und Elias Wessel (USA). Read Less
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Exhibition / Ausstellung: WIESINGER STÜNKEL WESSEL - NEUE FOTOGRAFIE
31. Januar - 22. März 2014, BEGE Galerie Ulm, Germany
 
Eröffnungsansprache: Stefan Skowron, Kunsthistoriker und Publizist, Aachen 
 
Mehr als zweidrittel all dessen, was wir alltäglich wahrnehmen, von dem wir noch im Späteren glauben, wir hätten es intellektuell wie emotional verarbeitet, gelangt über das Auge in unser Bewusstsein. Zweidrittel aller Informationen über die Welt um uns herum, das Leben und seinen Fortlauf, sehen und erkennen wir darob!

Die meisten kommen damit aus. Noch ein wenig hören, fühlen, schmecken, riechen – passt schon’! Doch die anderen, „wir, die wir mit Augen begabt sind“, wie einst Oskar Kokoschka einem Schüler ins Stammbuch schrieb, wir (wollen) glauben, wissen es vielleicht sogar, dass es da noch einiges mehr gibt. Dass die Grenzen zwischen dem, was wir sehend erkennend wahrnehmen und dem, was eventuell nur ein Lichtimpuls ist, eine Chimäre oder Fata Morgana, fließend sind. 

Zu denen, die unsere Fähigkeit wahrzunehmen durch ihre Arbeiten erweitern, die uns offenbaren, dass die Welt nicht nur aus dem Gesichtskreis besteht, den jeder Einzelne hat, gehören die Fotokünstler Franziska Stünkel, Kai Wiesinger und Elias Wessel. Sie vertreten drei autonome fotografische Positionen. Sie nutzen das Medium auf unterschiedlichste Art und Weise. Sie lehren uns sehen! 

Franziska Stünkel erinnert uns über situative Raumerfahrungen an die Verwobenheit und Zeitgleichheit des Lebens. Sie weist uns durch das Spiegeln vieler Erlebensmomente auf ein und derselben Oberfläche auf die Verdichtung nicht zusammengehörender Geschichte und Geschichten hin – und damit letztlich darauf, dass es eine Gerade des Lebens niemals geben kann. 

Die fremden Orte, an denen diese Fotografien entstehen, gereichen ihrer Idee dabei zum Vorteil – man muss schon sehr genau hinschauen, um, ähnlich einem Vexierbild, einen Hinweis zu finden. Darüber jedoch erwächst den Fotografien von Franziska Stünkel verblüffender Weise eine viel größere Klarheit in der Aussage: Alles, was irgendwem irgendwo geschieht, geschieht im Gleichzeitigen. Franziska Stünkel formuliert es so: was uns als Menschen eint, das „sind universelle Gefühle, aus denen über sieben Milliarden individuelle Lebensgeschichten erwachsen“. 

„Unser Gehirn bildet Konzepte, die wir für bare Münze nehmen und somit glauben wir zu wissen was ist – doch die mit der Kamera eingefangene Reflektion des Lichtes zeigt uns hier etwas anderes als wir erwarten“, sagt Kai Wiesinger. Tatsächlich ist er derjenige, der sich mit seinen Arbeiten am weitesten vom mimetischen Charakter des Mediums Fotografie entfernt hat. Das mag zum einen in der durch sie evozierten Emotionalität liegen. Aus Bewegungen heraus, die sowohl das Model als auch den Fotografen und die Apparatur erfassen, entsteht im selben Augenblick ein dreifach beeinflusstes Jetzt, das dann festgehalten wird, sich im Bild manifestiert. – Ganz im Sinne Susan Sontags: sur-real. 

Ihm gehe es nicht um die Darstellung des Gesehenen, so Kai Wiesinger, sondern um die Darstellung seiner Empfindungen. Auf diese Weise gelangt er zu Arbeiten, die um mit Botho Strauß zu sprechen, nicht mehr nur aus einer Geschichte des Verstehens heraus entstanden sind, sondern aus einer Schule des Erlebens und Fühlens – vielleicht gar des Durchleidens(?). 

Elias Wessel schließlich fügt mit seinen Arbeiten den schon bekannten fotografischen Inszenierungsstrategien als da wären die Inszenierung des Subjekts, des Objekts, des Apparates, des Lichts, des Raumes und des Bildes selbst eine, wie ich finde, weitere hinzu: die Inszenierung der Idee. Deutlicher als Franziska Stünkel oder Kai Wiesinger stehen seine Arbeiten dabei in der Tradition der Fotokunst als einem Transfermedium kultureller oder gesellschaftlicher Diskurse (denken Sie an die Vanitas, denken Sie an Elias Canetti). Andererseits erscheinen sie uns sachlicher, dinglicher und daraufhin auch für uns mit eigenen Worten erklärbarer – was keine Wertung, sondern lediglich eine Feststellung ist, zumal jede Position innerhalb der Ausstellung ein narratives Moment birgt. 

Elias Wessel geht im Übrigen wie seine beiden Kollegen vom Individuum aus. Die persönliche Erfahrung ist ihm ebenso wichtig, wie das Potential und die Geschichten seiner Gegenüber. 

Letztlich entscheidend für meine (und wie ich hoffe unsere?) Begeisterung ob dieser drei sehr unterschiedlichen, die Möglichkeiten des Mediums auf ebenso autonome wie eindrucksvolle Art und Weise auskostenden und ansehenswert vorstellenden Fotokunstleistungen ist, dass alle drei nicht innehalten, sich zu entwickeln – bitte betrachten Sie nur einmal die Arbeiten des neuen Projekts „portus“ von Kai Wiesinger. Und dass sie im Sinne Roland Barthes subversiv sind, weil sie uns sämtlich nachdenklich machen.
 
At BEGE Galerien, Fischergasse 21, 89073 Ulm, Germany.
 
 
BEGE Galerien, Fischergasse 21, 89073 Ulm, Germany.
 
 
ELIAS WESSEL
Become Your Dream, 2013
Photography, Pigment print
200 x 273.5 cm framed (78.7 x 107.7 inches)
Edition of six
 
 
ELIAS WESSEL
Become Your Dream, 2013
Photography, Pigment print
200 x 273.5 cm framed (78.7 x 107.7 inches)
Edition of six
 
 
ELIAS WESSEL
Storyteller, 2013
Photography, Pigment print
90 x 90 cm framed (35.4 x 35.4 inches)
Edition of nine
 
 
ELIAS WESSEL
A Little Crack Is Where The Light Shines Through, 2010
Photography, Pigment print
90 x 73.1 cm framed (35.4 x 28.8 inches)
Edition of nine
 
 
ELIAS WESSEL
The Metamorphosis, 2010
Photography, Pigment print
90 x 73.1 cm framed (35.5 x 38.8 inches)
Edition of nine
 
 
ELIAS WESSEL
Die unbefleckte Empfängnis, 2011
Photography, Pigment print
90 x 73.1 cm framed (35.4 x 28.8 inches)
Edition of nine
 
 
ELIAS WESSEL
Not Yet Titled (JFK), 2013
Photography, Pigment print
130 x 170.2 cm framed (51.2 x 67 inches)
Edition of six
 
 
ELIAS WESSEL
Before Your Very Eyes, 2013
Photography, Pigment print
130 x 130 cm framed (51.2 x 51.2 inches)
Edition of six
 
 
ELIAS WESSEL
Parelsón I and Parelsón II, 2013
Photography, Pigment print
130 x 122.9 cm framed (51.2 x 48.4 inches)
Edition of six
 
 
ELIAS WESSEL
Parelsón I, Parelsón II and Before Your Very Eyes, 2013 — at BEGE Galerien, Fischergasse 21, 89073 Ulm, Germany.
 
 
© All Images and shown Artworks Elias Wessel, New York 2013