Kathrin Pflegerl's profile
hinter der jalousie, alltagsästhetiken/julia knaß
Hinter der Jalousie, Alltagsästhetiken
Project with Julia Knaß

Text/lllustration-Project
from 2020 to X


#0204 Ich koch mir einen Tee, ich will ihn nicht trinken, nur den Geruch durch die Wohnung schweben lassen und an ihn denken, weil ich will an etwas anderes denken als die Algen, die sich in meinem Kopf um den Mond gewickelt haben, der deinen alten Pulli trägt; weil ich will lieber denken statt dir zu schreiben und zu fragen, in welchem Spukschloss du gerade gefangen bist und welche Farben deine Gespenster haben und ob du weißt, was jetzt eigentlich sein soll, weil ich weiß nur, dass die Uhren rückwärts Purzelpäume schlagen und ich schlecht schlafe und schlecht aufwache zwischen unseren Zügen, mit Abdrücken vom Kopfhörerkabel und abdrücken vom Kopf (das vertauschen in mir), dann bis 20 zählen, mich auf die andere Seite drehen, mich noch immer so verletzbahr fühlen und nur die Jalousie im Blick und die Uhr, und die Kabel im Kopf und um dich.
#0304/0804 Welche Architektur hat deine Einsamkeit, ich kann meine nicht aufzeichnen, immer, wenn ich versuche, sie zu vermessen, ich stehe vom Bett auf, ich gehe 20 Schritte vom Schlafzimmer bis zur Kaffeemaschine, dann fällt mein Denken in Strömen, füllt den Raum aus, bis ich darin wate und alles wird weich und schimmert, wie Mondschein im Wasser, wenn ich jetzt untergehe, dann würde nichts geschehen, weil ich selbst so flüssig bin (ich will dir auf der Zunge, ich will, dass meine Wörter dir auf der Zunge zergehen), mich nichts vom Wasser, mich nichts von einer Spiegelungunterscheidet, mein Denken schüttet, bis auch der Mond sich aus den Algen und deinem alten Pulli löst, aus meinem Kopf zu Boden und in mir aufgeht, mein Handy leuchtet deinen Namen, ich verfestige mich wieder, zum Objekt unserer abgebrochenen Träume.
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