ästhetische
Erfahrungen
Es gibt Bilder,
die lassen einen einfach
nicht mehr los.
Durch wilde Reflektionen auf Fassaden, Fensterscheiben oder Schaufenstern vergesse ich gelegentlich den Alltag um mich herum. Dann steh ich da, gefesselt und fasziniert.

Und manchmal zücke ich in dem Augenblick mein Smartphone und versuche, das Faszinierende festzuhalten.
In den Reflektionen spiegelt sich ein Ausschnitt der Wirklichkeit spiegelverkehrt direkt in die Wirklichkeit herein wieder. Durch die Reflektion wird die Abbildung gleichzeitig vereinfacht und komplizierter sichtbar. Da das wiedergespiegelte Geschehen lediglich auf die reflektierende Fläche beschnitten und die räumlich Tiefe in einer grafischen Komposition abgebildet ist, wirkt die Abbildung vereinfacht. Aber das entstehende Motiv wird gleichzeitig durch die Reflektionen, also durch andere hinzu kommende Ebenen komplexer.
Sobald wir etwas Ästhetisches erfahren, vergegenwärtigt sich uns das Erscheinen der Welt (Martin Seel, Die Ästhetik des Erscheinens). Diese ästhetische Begegnung findet überall dort statt, wo wir innehalten und verweilen. Es genügt kein passives Überblicken, vielmehr müssen wir wach und selbstzwecklos beobachten. Durch das aktive Betrachten schaffen wir unsere eigenen Erfahrungen mit der Situation, dem Ding oder Kunstwerk. Wir "lassen uns auf das Kunstwerk ein" und gewinnen dadurch unsere eigene Perspektive darauf. Wir rekonstruieren das Betrachtende, schöpfen es dabei in einem gewissen Rahmen für uns neu. Durch diese Neuschöpfung bringen wir unvermeidlich unsere Emotionen und Erfahrungen ein. Wenn diese nun durch das Wahrgenommene erweitert werden, dann haben besondere Szenen, Dinge und Kunst "uns etwas zu sagen".
Kunstwerke, Dinge oder Szenen mit denen wir ästhetische Begegnungen finden, zeigen uns, das die Wirklichkeit viel reicher ist als nur das für uns begrifflich Fassbare. Wenn diese Momente "uns etwas zu sagen haben" und wir uns in der Welt gegenwärtig fühlen, dann erleben wir uns in einer phänomenalen Präsenzerfahrung. Wir vernehmen Kenntnis von uns in der Welt. Diese Erlebnisse verleihen unserem Dasein keinen Sinn, keine Orientierung, diese Erlebnisse verleihen uns ästhetische Präsenz und empfundene Intensität (Lambert Wiesing, Luxus). Uns wird im Sinne eines "fruchbaren Augenblickes" offenbart, wie es sich anfühlt, ein Mensch zu sein.
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Schnappschüsse spannender Spiegelungen und Reflektionen
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