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Das Bauhaus im Spiegel der Mathildenhöhe
Utopie einer verpassten Chance
Vor 100 Jahren in Weimar gegründet, sollte das Bauhaus Weltgeschichte in Architektur, Design und Malerei schreiben. Wenig bekannt sind dabei die mannigfaltigen Bezüge zur Darmstädter Mathildenhöhe, des Geburtsortes der internationalen Jugendstilbewegung und frühen Wirkungsstätte vieler Bauhaus-Legenden. Walter Gropius, Gründer des Bauhauses, arbeitete bei Peter Behrens, ebenso Ludwig Mies van der Rohe und Le Corbusier, wodurch das Architekturbüro besondere Bedeutung erlangte. Das berühmte Bauhaus-Archiv, von Walter Gropius geplant und am Berliner Landwehrkanal 1954 errichtet, wurde ursprünglich für die Darmstädter Rosenhöhe entworfen und bezieht sich in seiner Dachform auf den Fünf-Finger-Turm der Mathildenhöhe. Die Stadt Darmstadt hatte den Bau jedoch in seinem ursprünglichen Entwurf nicht finanzieren können und lehnte ebenso wie schon in den 1920er Jahren ab, als Gropius der Stadt Darmstadt die Neueröffnung des Bauhauses vor dessen drohender Schließung in Weimar anbot.

Utopia of a perfect opportunity​​​​​​​
Founded 100 years ago in Weimar, the Bauhaus was to write world history in architecture, design and painting. Little known are the several references to Darmstadt‘s Mathildenhöhe, the birthplace of the international Art Nouveau movement and early place of activity of many Bauhaus legends. Walter Gropius, founder of the Bauhaus, worked here in the architectural office of Peter Behrens, as did Ludwig Mies van der Rohe and Le Corbusier, which made the Darmstadt architectural office particularly important. The famous Bauhaus Archive, planned by Walter Gropius and erected on Berlin‘s Landwehr Canal in 1954, was originally designed for Darmstadt‘s Rosenhöhe and refers in its roof shape to the five-finger tower of Mathildenhöhe. However, the city of Darmstadt had not been able to finance the building in its original design and rejected it just as it had in 1920, when Gropius offered the city of Darmstadt the reopening of the Bauhaus in Weimar before its closure.

2019 steht das Bauhaus in Darmstadt
All diese Zusammenhänge boten einer Gruppe von sechs Studierenden Anlass, sich zum 100-jährigen Jubiläum des Bauhauses im Rahmen einer Semesterarbeit mit der Geschichte des Fachbereichs – ansässig auf der Darmstädter Mathildenhöhe – und seinen Bezügen zum Bauhaus zu beschäftigen. Die Studierenden recherchierten die Standortauswahl auf der Mathildenhöhe für die geplante Übersiedlung im Jahr 1920. Das berühmte Bauhausgebäude simulierten sie auf einem teilweise leerstehenden Grundstück in Angrenzung an die Kunstgewerbeschule, dem heutigen Fachbereich Design, vis-a-vis der Darmstädter Künstlerkolonie. Dieses wurde von den Studierenden vollständig in 3D-Modellen aufgebaut und aufwändig animiert. Werkstätten und Einrichtungsdetails des Bauhauses wurden auf Grundlage historischer Fotos und ursprünglicher Grundrisse in Blender aufgebaut sowie in Unity animiert.

In 2019, the Bauhaus in located in Darmstadt 
All these connections gave a group of six students  the opportunity to deal with the history of the faculty - located on the Mathildenhöhe in Darmstadt - and its connections to the Bauhaus as part of a semester thesis to mark the 100th anniversary of the Bauhaus. The students researched the choice of location on Mathildenhöhe for the planned relocation in 1920. They simulated the famous Bauhaus building on a partially unoccupied site bordering the School of Arts and Crafts, today‘s Department of Design, opposite the Darmstadt artists‘ colony. The students built it completely in 3D  and animated it with great effort. Workshops and furnishing details of the Bauhaus were set up in Blender on the basis of historical photos and original floor plans and animated in Unity.
Virtuelle Realität macht Geschichte erlebbar

Das Ergebnis der Studierendenarbeit ist eine interaktive VR Experience, die Nutzer*innen die einzigartige Chance bietet, sich in der architektonischen Utopie eines auf der Mathildenhöhe errichteten Bauhauses zu bewegen und dabei charmante Details im Zusammenspiel der Institutionen Bauhaus und Mathildenhöhe sowie der sozialen Dynamiken der dort lebenden und wirkenden Menschen zu explorieren. So findet sich beispielsweise in der Schreibtischschublade von Walter Gropius ein heimlicher Brief von der skandalumwitterten Alma Mahler, welche nicht nur drei Jahre mit Walter Gropius verheiratet war, sondern, wie eine Recherche historischer Begebenheiten ergab, zeitweise auch eine Liaison mit Joseph Maria Olbrich aus Darmstadt unterhielt. Schränke lassen sich öffnen und deren Inhalt Erkunden, Vasen und andere Objekte lassen sich greifen und sogar kaputt schmeißen, wenn einem danach ist. Ein kleines Architektur Modell der gesamten Szene in der man sich befindet steht in einem der hinteren Räume und ermöglicht es dem Betrachter das ganze noch mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten und in einem der Räume eröffnet sich dem Besucher die Möglichkeit mit dem kleinen Schiffbauspiel von Alma Siedhoff-Buscher (1923) in der virtuellen Realität zu experimentieren. Ganz im Sinne des Bauhauses, welches eine Revolution der Architektur durch die Integration weiterer Kunstpraktiken anstrebte, wurden hier verschiedene Disziplinen zu einem Gesamtkunstwerk verwoben: als Medium die für die designhistorische Aufarbeitung dienen die zeitgenössischen Werkzeuge von Gestalter*innen, wodurch sich für Betrachtende eine neuartige Weise zur spielerischen geschichtlichen Weiterbildung und ein Einblick in den sich stetig wandelnden und erweiternden Wirkhorizont der Disziplin Design erschließt.


Virtual Reality makes history come alive

The result of the students work is an interactive VR experience that offers users the unique opportunity to move around the architectural utopia of a Bauhaus built on the Mathildenhöhe, exploring charming details in the interplay of the Bauhaus and Mathildenhöhe institutions and the social dynamics of the people living and working there. In Walter Gropius' desk drawer, for example, there is a secret letter from the scandalous Alma Mahler, who was not only married to Walter Gropius for three years but, as research into historical events revealed, also had a liaison with Joseph Maria Olbrich from Darmstadt at times. Cabinets can be opened and their contents explored, vases and other objects can be grabbed and even broken if you feel like it. A small architectural model of the entire scene is located in one of the back rooms and allows the viewer to look at the whole thing again from a different perspective. In one of the rooms the visitor has the opportunity to experiment with the small shipbuilding game by Alma Siedhoff-Buscher (1923) in virtual reality. Entirely in the spirit of the Bauhaus, which strove for a revolution in architecture by integrating further art practices, various disciplines were interwoven here to create a total work of art: The contemporary tools of designers serve as a medium for the design-historical reappraisal, which opens up a new way for viewers to playfully learn about history and gain insight into the constantly changing and expanding horizon of the discipline of design.





Die entstandene VR Installation ist eine digitale Erweiterung zur Ausstellung „Das Bauhaus im Spiegel der Mathildenhöhe" der Fachhochschule Darmstadt, die im Oktober 2019 im Designhaus auf der Mathildenhöhe eröffnet wird.

The resulting VR installation is a digital extension to the exhibition „Das Bauhaus im Spiegel der Mathildenhöhe“ of the University of Applied Sciences Darmstadt, which will open in October 2019 in the Designhaus on the Mathildenhöhe.

​​​​​​​Weiterführende Quellen: Fotos und historisches Bildmaterial- Bauhaus Archiv Berlin
Fotoarchiv - Bibliothek und Archiv - Bauhaus-Archiv | Museum für Gestaltung, Berlin. URL https://www.bauhaus.de/de/bauhaus-archiv/185_bibliothek_und_archiv/2764_fotoarchiv/. - abgerufen am 2020-06-01
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Studierende
Michael Eiden
Hans Hohmann    
David Blumberg  
Sahra Kolossa          
Ruixian He  

Tutor
Moritz Mohr

Leitung
Prof. Philipp Thesen

Teil der Ausstellung: Gestalt und Hinterhalt im Designhaus Darmstadt
Ausstellungszeitraum: 26.11.2019 05.01.2020




Das Bauhaus im Spiegel der Mathildenhöhe
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