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Burning Mind, 2016, Neue Ziegelmanufaktur Glindow
Burning mind, 2016, Neue Ziegelmanufaktur Glindow, Brandenburg
Burning mind, 2016
Neue Ziegelmanufaktur Glindow, Brandenburg
Zeitgenössische Kunst in der alten Ziegelei in Glindow
Licht-Installation ‚Burning Mind‘ von Johannes Pfeiffer im Hoffmannschen Ringofen in der Ziegelmanufaktur in Glindow 2016

Material: Robinienholzstämme, Schwarzlicht-Neonröhren

Gedanken zur Installation ‚Burning Mind‘
Der Einstieg in den ‚alten‘ Hoffmannschen Ringofen ist bereits sehr vielsagend. Durch eine niedrige dickwandige Öffnung geht man in gebückter Haltung in das Innere, ins Dunkel, ins Unbekannte. Es ist eine Reise in den Bauch des alten Ziegelbrennofens. Eine Reise in die Vergangenheit, in das Innere. In das Innere des Brennofens, in das Innere meiner Selbst. Ich nutze das Dunkel um die Augen zu öffnen, um zu Sehen.
Meine Arbeiten sind oft Gleichnisse, die sich auf den Menschen übertragen lassen und so handelt es auch hier eine Entdeckungsreise zu mir selbst.
Reise in das Innere
Das Eintreten in das Dunkel Ringofens hilft die Sinne zu schärfen und die Konzentration zu erhöhen. Die Augen gewöhnen sich nach einiger Zeit an das Dunkel. Langsam treten die in den Kammerzugängen aufgeschichteten Stammabschnitte in das Blickfeld. Sie bilden die einzige Lichtquelle in dieser dunklen Höhle. Wir befinden uns direkt in den Brennkammern, deren Zwischenwände herausgenommen wurden.
Das heißt, wir befinden uns genau an dem Ort, an dem über Jahrzehnte die Ziegel bei 800° bis 1000° gebrannt wurden. Von der Hitze ist nichts mehr zu spüren, es ist eher kühl. Trotzdem vermittelt dieser tunnelförmige Rundgang ein Gefühl der Wärme, der Geborgenheit. Der Raum lenkt meine Konzentration ganz auf mich selber. Er ist wie ein Spiegel. Ich komme mir vor wie eine Fledermaus. Sende permanent Signale aus und warte auf deren Rücklauf um mich zu orientieren. Die in den Zugängen leuchtenden Stämme weisen mir den Weg und gleichzeitig versperren sie mir die Möglichkeit, das Innere zu verlassen. Ich stehe vor seltsam verschlossenen Toren. Langsam gehe ich auf der Reise in mein Inneres voran. Es ist sehr geheimnisvoll, sehr intim. Die Dunkelheit im Brennraum verunsichert mich. Meine Schritte werden zaghaft. Zum Glück tauchen immer wieder leuchtende aufgeschichtete Stammstücke auf, deren unterschiedliche Formation meine Neugier weckt und zum Weitergehen anregt. Ein Gedanke taucht auf, der Gang könnte unendlich lang sein und nicht mehr enden. Ich könnte dazu verdammt sein, ewig weiterzugehen. Die leuchtenden Formationen der Stammabschnitte, die die Geschichte des Ortes erzählen, sind unendlich in ihrer Vielfalt und Formensprache. Es ist eine Entdeckungsreise des Ortes selber, auf dem die Ziegelei steht. Eine Reise in die Vergangenheit der Ziegelei. Furcht und Neugier wechseln sich ab. Endlich, nach beinahe einer Unendlichkeit, sehe ich Tageslicht herein schimmern.
Ich bin wieder am Ausgangspunkt meiner Reise angelangt.

Angaben zum Material:

Bei dem verwendeten Material handelt es sich um Robinienholz, welches die vorwiegend vorkommende Holzart in der Umgebung der Ziegelei in Glindow ist. Es ist das Holz, das vor Ort wächst, das Holz, das die Geschichte der Ziegelei in ihren Jahresringen erzählt. Es ist das Holz, das die Wärme abgibt, um Ziegel zu brennen. Es ist das Holz, das leuchtet. Es ist die einzige Holzart, die diese fluoreszierende Eigenschaft aufweist. Diese Eigenschaft wird dann sichtbar, wenn das Holz von der Rinde und vom Splintholz befreit wird, frisch angeschnitten ist und im Dunkeln mit Schwarzlicht angestrahlt wird. Es reflektiert das Schwarzlicht goldgelb und umgibt das Material mit einem unerklärlichen Zauber. Nur Natur, ohne künstliche Zusatzprodukte, leuchtet dieses Holz aus sich selber heraus. Es vermittelt die Wärme, die Zuversicht, das Geheimnis des Lebens.

Johannes Pfeiffer
September 2016
Photographer:     Lorenzo Mascherpa -  Turin
Burning Mind, 2016, Neue Ziegelmanufaktur Glindow
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