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Find your FLOW / with Caja Schöpf

Find your FLOW
SHAPE MAG 10/20

Athlete - Text: Caja Schöpf
Photo: Thomas Marzusch
Instagram: @thomasmarzusch
Wer kennt es nicht, das Gefühl einer sich zu schnell drehender Welt, ausgebrannt sein, fehlender Motivation und Anforderungen die einem über den Kopf wachsen? Vermutlich kennen es die meisten jungen und berufstätigen Menschen von heute, doch wie kämpft man dagegen wirkungsvoll und nachhaltig an? FLOW – definiert als das beglückend erlebte Gefühl eines mentalen Zustandes völliger Vertiefung, restlosen Aufgehens und sich Verlierens in einer Tätigkeit, die zu diesem Zeitpunkt wie von selbst abläuft ist die Lösung. Klingt ziemlich gut und erstrebenswert nicht nur im Sport, sondern auch für den Alltag und den Job.



Fehlende Motivation
Jeder von uns kennt das Gefühl von fehlender Motivation fehlt, man sich müde und ausgebrannt fühlt, man keine Kreativität hat und schon gleich überhaupt keine Lust mehr abends noch etwas mit Freunden zu unternehmen oder Sport zu machen. Man ist leicht gereizt, unausgelastet und frägt ständig nach dem Sinn des Lebens. Das ist in bestimmten Phasen des Lebens mal normal, so lange es nicht zum Dauerzustand wird. Doch wie lange ist es noch „normal“ und wann ist es ein Dauerzustand? Leider ist diese Grenze oft schwierig zu ziehen und wenn sie mal überschritten wurde, noch schwieriger wieder einen Weg rauszufinden. Daher empfehle ich dringend präventiv auf ein paar Aspekte zu achten, die dabei helfen motiviert zu bleiben, nicht auszubrennen und selbstfürsorglich mit sich umzugehen, um im Job und Alltag im Flow zu bleiben.

Meine Definition von Flow
Wenn mich jemand nach meiner Definition und meinen Erfahrungen zum Flow – Zustand fragt, brauche ich nicht lange zu überlegen: Skifahren auf endlosen Tiefschnee Abfahrten. So ähnlich beschrieb bereits Mihály Csíkszentmihályi, der Vater des Flow – das Gefühl, welches man heute als Flow – Zustand bezeichnet. Also, Stell Dir vor, du fährst einen unverspurten Tiefschneehang hinunter, den du dir zuvor mühsam mit einer Skitour erarbeitet hast. Das Gelände ist nicht einfach, mal steiler, mal kommen Bäume, mal Felsen. Deine volle Aufmerksamkeit konzentriert sich auf die Bewegungen Deines Körpers, deine Muskeln, die Position der Ski, die Luft, die an deinem Gesicht vorbei pfeift, und den Schnee, der dir ins Gesicht fliegt. Du rast vorbei an eingeschneiten Bäumen und Felsen - völlig unbekanntes Gelände. Volle Konzentration und Anspannung jedes einzelnen Muskels, du spürst wie der Puls und der Blutdruck steigen, es wird dir warm, der Atem schneller – du darfst keinen Fehler machen. In deinem Bewusstsein gibt es keinen Raum für Konflikte oder Widersprüche. Du weißt, dass ein ablenkender Gedanke oder eine ablenkende Emotion dich vergraben könnten, dich stürzen lassen können. Aber die Abfahrt ist so perfekt, dass Du wünschst, dass sie für immer hält und noch ewig andauert. Du fühlst dich eins mit der Natur, fühlst dich unbesiegbar, unfehlbar. Du hast lange dafür gearbeitet, dir Ziele gesteckt und trainiert, um diese Abfahrt zu bewältigen. Ja, das ist meine individuelle Definition von Flow. Momente wie diese sorgen für eine intensivere Lebensfreude, ein sich Verlieren und Fokussieren auf eine Tätigkeit, die dann gefühlt wie von selbst abläuft – und in den meisten Fällen glücklich und erfolgreich macht, auch im Alltag und im Job.



Flow im Job und Alltag
Warum? Der Flow – Zustand ist eng verknüpft mit dem Erreichen von Zielen und realistischen Leistungsvorgaben, welche wir z.b. im Sport oft vorfinden. Entweder beim Leistungssportler im Sinne von klaren Zielen, dem steigenden Puls auf der Sportuhr und dem neuen Rekord. Oder im Amateursport durch selbst auferlegt Ziele wie fitter werden, abnehmen, gesünder leben, einen Halbmarathon laufen, etc. Diese Ziele lassen sich aber nicht nur im Sport definieren, sondern auch in der Kunst, Musik, Philosophie oder andere Aufgaben, die für einen individuelle Ziele von Bedeutung haben. Das heißt wir erleben Glück und Erfolg durch das Erreichen von Zielen und halten auch die Motivation damit aufrecht. Wir gehen auf in der Tätigkeit, sind voll konzentriert und gleichzeitig auch noch zufrieden, ein Zustand von dem wir auch im Job profitieren können. Wenn uns die Arbeit langweilt, müssen wir jedem unserer Schritte die volle Aufmerksamkeit schenken und uns Fragen stellen wie: Ist dieser Schritt notwendig? Kann es besser, schneller und effizienter gemacht werden? Welche zusätzlichen Schritte könnten meinen Beitrag wertvoller machen? Wenn du deine Aufmerksamkeit darauf lenkst, Wege zu finden, um im Job mehr zu erreichen, effektiver zu sein, hast du vermutlich auch mehr Spaß, bist erfüllter und letztendlich auch erfolgreicher. So kann auch die alltäglichste Arbeit zum Flow führen. Im Idealfall passen auch die Schwierigkeiten des Jobs zu den Fähigkeiten und Fertigkeiten des Arbeitnehmers und fühlen sich wie eine machbare Herausforderung an – ein Berg, der einen fordert, der schwierig ist, den ich aber erreichen kann, wenn ich mich voll und ganz der Tätigkeit widme. Und im besten Falle dabei den Flow – Zustand erreiche. Das beglückend erlebte Gefühl, eine völlige mentale Vertiefung, ein restloses Aufgehen und sich Verlieren in einer Tätigkeit, die zu diesem Zeitpunkt wie von selbst abläuft und somit vermutlich zu Erfolg und Glück führt. Bevor du jedoch diesen Zustand im Job anstrebst, ist es ratsam den Flow – Zustand auf eine andere Art und Weise erstmal zu erleben, um dann das erlebte Gefühl in Job und Alltag zu transferieren. Damit ist gemeint ein Gefühl real zu erleben und zu erfahren. Am Körper zu spüren, wie sich der Flow – Zustand auf dich, deine Gedanken und dein Verhalten auswirkt.

Finde deinen Flow
Deshalb habe ich es mir auch zur Routine gemacht, schon vor der Arbeit meinen Flow – Moment zu finden. Dies gelingt mir, wenn ich mich aufs Rennrad schwinge, eine Laufeinheit absolviere, im kühlen Nass meine Runden schwimme oder mich einer intensiven Yoga Session hingebe. Ob intensiv oder eher meditierend, ich gehe in der Tätigkeit auf, verliere mich und tauche in einen voll konzentrierten Zustand ein. Natürlich erreiche ich „den“ Flow – Zustand nicht immer, aber ich komme ich eine mentale Zone, die mich Glück fühlen lässt, mich inspiriert und mich mit einem anderen Spirit in den Alltag starten lässt. Dabei spielt es keine Rolle, um was für eine Tätigkeit es sich handelt, denn es geht darum, dass du deinen individuellen Flow findest. Ob es sich bei der Tätigkeit um Musik, Kunst, Schach, Gartenarbeit, Kochen, Sport, etc. handelt, muss jeder für sich selbst herausfinden und entscheiden. Wenn du mich allerdings um Rat fragen würdest, werde ich dir natürlich Sport empfehlen, da man hier mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen kann. Du betätigst dich körperlich, bleibst fit, aktivierst deinen Kreislauf und bist deinen Gefühlen und Körpersignalen am nächsten – die du dann in deinen Alltags – Flow mitnehmen kannst. Während der eine dem Rennradfahren und der Geschwindigkeit verfällt, findet sich der andere im Yoga und den fließenden und haltenden Bewegungen wieder. Probiere einfach aus, was zu dir persönlich am besten passt. Wichtig dabei ist, dass dies alles im eigenen Ermessen liegt und es ganz individuell von Person zu Person zu betrachten ist. Lernt eure Grenzen kennen und findet den Mut ab und an einen Schritt aus der Komfortzone zu wagen, nur dann kann Entwicklung geschehen oder etwas erreicht werden. Auch wenn ich ein großer Befürworter von sportlichen Aktivitäten bin, möchte ich trotzdem nochmals betonen, dass auch andere Aktivitäten einen Flow – Zustand erzeugen können. Wichtig ist nur, dass die relevanten Elemente wie Ziele, adäquate Herausforderungen, Feedback, Fertigkeiten und Fähigkeiten, Machbarkeit vorhanden sind. Wenn du es schaffst deinen persönlichen Flow – Zustand in für dich wichtigen Aktivitäten zu erleben, zu erfahren und zu spüren, gelingt dir auch ein Transfer in den Alltag und den Job. Deine Lebensqualität wird sich deutlich verbessern, wenn du deine Flow – Bedingungen zu festen Bestandteilen und Routinen deines Alltags und Arbeitsleben machst.


5 Tipps:
Setze dir ein realistisches Ziel.
Überprüfe deine Fertigkeiten und Fähigkeiten.
Überprüfe die Balance zwischen Herausforderung und Machbarkeit.
Suche eine Tätigkeit, die wirklich ganz individuell zu Dir passt.
Spüre deinen Körper, höre auf deine Körpersignale.
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